Viele Menschen sind täglich auf den Bahnhöfen unterwegs. Selbst in der Hektik des Umsteigens oder beim Warten auf den gewünschten Zug kann man interessante Naturbeobachtungen machen. Manchmal reicht ein einfacher Blick auf den Boden. So bestehen die Treppenstufen in den Unterführungen des Freiburger Hauptbahnhofs aus geradezu bilderbuchhaftem Granitgestein.
Auffällig sind die hellen, fast rechteckigen Flecken im gräulichen Gestein. Es sind Feldspäte, einer der drei Hauptbestandteile des Granits. Es sind schräg quaderförmige Kristalle, die als „Einsprenglinge“ im umgeben-den Muttergestein liegen. In den Freiburger Treppenstufen kommen sie gut zu Geltung, weil sie mit etlichen Zentimetern außergewöhnlich groß sind (im Vergleich ist am linken Rand noch ein Schuh angeschnitten). Die Feldspäte besitzen innere Kristallebenen, entlang derer sie recht gut zu spalten sind; daher rührt auch ihr Name. Aus Granitpflastern oder grobem Schottern blinken uns die ebenen Feldspat-Oberflächen, wenn die Kristalle aufgebrochen sind, in der Sonne wie kleine Spiegel an.
Wie entstanden nun die Kristalle? Das Ausgangsmaterial des Granits quoll vor Hunderten von Millionen Jahren als zähes Magma aus dem Erdinneren empor. Beim langsamen Erkalten des mehrere Hundert Grad heißen Materials sonderten sich als erste die Feldspat-Kriställchen ab, die im Laufe von Tausenden, vielleicht Millionen Jahren heranwuchsen und zu den ansehnlichen Kristallen heranreiften. Sie liegen in einer Grundmasse, die sich aus dem Rest des erkaltenden Magmas bildete: die kleinen schwarzen Blättchen heißen Glimmer, die graue Masse dazwischen ist Quarz, der das Ganze als eine Art Klebstoff zusammenhält.
Die drei fest verbackenen Mineralien bilden das kompakte Gestein Granit (Merksatz: „Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess‘ ich nimmer.“). Da das Gestein körnig erscheint, erhielt es den Namen Granit, von lat. „granum“ = das Korn. Granit in seinen verschiedenen Formen bildet mit dem verwandten Gneis das Grundgebirge des Schwarzwalds.
Früher wurden öffentliche Bauten (Kirchen, Rathäuser, Schulen, Trottoirs usw.) und natürlich auch private Häuser häufig mit den Gesteinen aus der nahen Umgebung gebaut. Wer aufmerksam durch unsere Siedlungen geht, kann an älteren Bauten vieles aus der regionalen Geologie entdecken. Heutzutage ist das ganz anders: Selbst schwere Baumaterialien werden weltweit transportiert – so kann man überall italienischen Marmor oder chinesischen Granit entdecken. So gehen die schöne, originelle Regionalität und Baukultur nun in globaler Gleichförmigkeit unter.

Schwarzwaldverein, 24.9.2023,